Verbandstag Apolda 2010 - Landesverband der Lebensmittelkontrolleure Thüringen e.V.

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Verbandstag Apolda 2010

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20 Jahre Landesverband der Lebensmittelkontrolleure Thüringen e.V.

Der Landkreis Weimarer-Land war zum 20-jährigen Jubiläum des Thüringer Lebensmittelkontrolleurverbandes und zur diesjährigen Fortbildung am 07.und 08.Mai 2010 Gastgeber für die ca. 80 Lebensmittelkontrolleure und Besucher des Verbandstages.

Unter der Hauptthematik "Thüringer Wein - ein deutsches Qualitätsprodukt " begann die Veranstaltung mit fachlichen Eindrücken in den Weinanbau im "Thüringer Weingut Zahn" und  "Thüringer Weingut Bad Sulza".
Die Region gehört zu den nördlichsten Weinanbaugebieten Europas  -Saale-Unstrut - und ist auch unter dem Namen "Toskana des Ostens" bekannt.    
In den Betriebsrundgängen konnten sich die Teilnehmer gruppenweise aufgeteilt,
über die Kellerwirtschaft, die Weinbereitung incl. Weinbuchführung informieren.

Hartmut Zahn, Inhaber des "Thüringer Weingut Zahn" in der Gemeinde Großheringen,Ortsteil Kaatschen-Weichau, beschrieb eingangs die  geschichtliche Entwicklung des Weingutes, welches 1998 als Familienbetrieb gegründet wurde.
Die ca. 10 ha Thüringer Rebflächen werden nach den Richtlinien des kontrolliert umweltschonenden Weinbaus bewirtschaftet. Mit ausgewogener Ernährung der Reben, durch Bodenanalysen und Nährstoffoptimierung wird auf beste Bedingungen der Rebe über das gesamte Vegetationsjahr orientiert. Hartmut Zahn schilderte die produktionstechnischen Abläufe der Weinbereitung über die Traubenverarbeitung, die Mostbehandlung und der kontrollierten Gärung. Nach Filtration erfolgt die Reifung in modernen Edelstahltanks oder Holzfässern bis zur Abfüllung. Gebietstypisch werden hier vorrangig klassisch trockene Weine bereitet.

Von Andreas Claus, Eigentümer des "Thüringer Weingut Bad Sulza", im Ortsteil Sonnenhof, erfuhren die Teilnehmer den geschichtlichen Werdegang zum im Jahre 1992 als erstes gegründetes Weingut in Thüringen. 1993 als Weinbau GmbH gegründet, erwarb Andreas Claus, aus einer schwäbischen Winzerfamilie  stammend, das Weingut 1997. Mit dem Umzug nach Sonnenhof wurden stückweise die Weinkellerei, der Weinverkauf mit Verkostungskeller und das Flaschenlager eingerichtet. Mit einer umfangreichen Weinbergsanpflanzung wurde das Sortenspektrum deutlich erweitert. Mit ca. 32 ha Weinbaufläche ist es das größte private Weingut an Saale-Unstrut. Die klimatischen und bodenspezifischen Einflussfaktoren, verbunden mit dem schonenden Weinausbau liefern insbesondere feinfruchtige Weine mit dezentem Sortencharakter. Die jährlichen Erträge der letzten 10 Jahre waren sehr gut, allerdings sorgten Witterung und Extremtemperaturen 2009  durch Frostschäden an den Weinreben für eine schlechte Ernte. Mit der Betriebsbesichtigung konnten sich die Teilnehmer einen Eindruck in die Anbau-, Ernte- und Verarbeitungsabläufe im Weinbau machen.  

Beeindruckt von der Weingutathmoshäre und der idyllischen Umgebung der Saale-Unstrut-Weinstraße führte das Programm zurück nach Apolda.
Im Tagungsort "Hotel am Schloß" wurde die Veranstaltung fortgesetzt.
Nach Begrüßung der Kollegen und Gäste durch die Verbandsvorsitzende Martina Pfeiffer wurde die Fortbildung mit weiteren Fachvorträgen fortgesetzt.

Zunächst erfolgt eine einführende Vorstellung  über die gesamten Rebflächen des Saale-Unstrut- Weinanbaugebietes mit den dazugehörenden Rebsorten. Über die Vegetationseinschätzung im Weinjahr 2009 und die statistische Erfassung der Erntedurchschnitte der letzten 15 Jahre wurde informiert.  
Welchem Testumfang sich ein Wein im Rahmen einer Qualitätsprüfung unterziehen muss, erfuhren die Zuhörer im Fachreferat von Claudia Seemann, Sachgebietsleiterin Weinbau im Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten  Süd in Weißenfels. Foto: Claudia Seemann
Die Aufgaben des Sachgebietes umfassen u.a. die Errichtung und Führung des Weinbaukatasters und der Weinbaukartei für Sachsen/Anhalt und Thüringen im Rahmen einer Verwaltungsvereinbarung, sowie die Führung der Weinbaurolle. Desweiteren gehört die Umsetzung der Gemeinsamen Marktorganisation und die fachliche Mitwirkung bei Fördermaßnahmen zum Aufgabenspektrum.
Wesentliche Bedeutung hat natürlich die Durchführung der Qualitätsprüfung. Die  beantragte Qualitätsstufe wird durch 5 Prüfer nach mehrheitlichen Urteil festgelegt und erfolgt nach dem 5 Punkte Schema der DLG zur Weinbewertung. Im Ergebnis der Qualitätsweinprüfung 2009 wurden 1021 Weine geprüft mit 36 Ablehnungen.   
Regelmäßig erfolgen Schulungen der Weinprüfer insbes. zur Erkennung von Weinfehlern, zum Umgang mit jahrgangsbedingten Besonderheiten sowie zum Umgang mit Weinstilen. Seemann küngigte die derzeitige Reform des EU-Weinbezeichnungsrechtes an unter dem Einfluss der Forderungen des Deutschen Weinbauverbandes. Zukünfig soll die Verwendung des Herkunftsprinzipes geregelt werden, dass heißt Wein ohne und mit geographischer Angabe.

Anschließend referierte Uta Pellowska, Thüringer Weinkontrolleurin und Sachverständige im Thüringer Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz (TLLV) in Bad Langensalza über das neue Weinrecht und die Umsetzung und Weinkontrolle in Thüringen. Foto: Uta Pellowska
Das Weinrecht wird zukünftig den allgemeinen Kennzeichnungsvorschriften angepasst. Die grundlegenden Änderungen bestehen darin, dass auf dem Etikett die Herkunft des Weines beschrieben wird. Aus den bisherigen Bezeichnungen Tafelwein und Qualitätswein wird Wein ohne geographische Angabe, wie zum Beispiel Wein aus der Europäischen Gemeinschft, Weine ohne und mit Rebsorten- und Jahrgangsangabe. Wein mit geographischer Angabe unterteilt sich dann in Wein mit geschützter geographischer Angabe(g.g.A.) und Wein mit geschützter Ursprungsbezeichnung (g.U.) Alle Weine müssen dann eine Herkunftsangabe besitzen. Der Schutz bestehender Bezeichnungen wird ebenfalls geregelt. "Tafelwein " wird zukünftig nur als "Wein" gekennzeichnet. Die Namen unserer Landwein- und Qualitätsweingebiete sind automatisch geschützt. Allerdings müssen bis zum 31.12.2011 die vorgeschriebenen Angaben der Produktspezifikation nachgereicht werden, da sonst eine Löschung aus dem Weinregister erfolgt. Pellowska erläuterte die Bezeichnungen "geschützte Ursprungsbezeichnung" und "geschützte geographische Angabe" und ging auf festgelegte Übergangsregelungen und neue önologische Verfahren ein.

Durch Dr.Klaus Epperlein, Wissenschaftler im Mitteldeutschen Institut für Weinforschung an der Hochschule Anhalt in Köthen erfuhren die Zuhörer einen interessanten Bericht über 8000 Jahre Weingeschichte. In seinen Ausführungen ging er auch auf den 1225 Jahre alten Weinanbau in Mitteldeutschland ein.
Foto: Dr.Klaus Epperlein

An den Präsentationsständen der Ausstellerfirmen:

A.P.C.
haug Bürsten
Kimberly-Clark
Kohlhammer Gemeindeverlag
Kulba Bauchemie
Lumen GmbH
Oranka
Renosan

konnten sich die Lebensmittelkontrolleure über deren Produktpalette inclusive Neuentwicklungen sowie Dienstleistungen umfassend informieren. Herzlichen Dank dafür.

Zu vorgerückter Stunde wurde anlässlich des 20-jährigen  Bestehens des Landesverbandes der Lebensmittelkontrolleure Thüringen e.V. zum festlichen Empfang der Teilnehmer geladen. Martina Pfeiffer schilderte in der Eröffnungsrede einen Kurzabriss  der chronologischen Abfolge von der Verbandsgründung bis zum heutigen Zeitpunkt mit einer Homage auf den Thüringer Wein. 20 Jahre im Dienste des Verbrauchers ist schon eine entsprechende Würdigung wert.
Die Festakteröffnung mit Sektempfang zellebrierte vollzog die derzeitige Gebietsweinkönigin Elvira Zahn.   
Besondere Aufmerksamkeit galt der Bildpräsentation aus 20 Jahren Thüringer Verbandsgeschichte, untermalt von Highlights aus den Verbandstagungen.
Einen ganz herzlichen Dank gebührt dafür Winfried Junghanns und den beiden Kolleginnen Gesa Wehner-Reiber und Claudia Bethge für die mühevolle und zeitaufwendige Erstellung.

Am Samstag wurde die Fortbildung mit einem interessanten und kurzweiligen Referat, unterteilt in drei Fachthemen, durch Dr.Axel Preuß, Leitender Chemiedirektor des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe in Münster fortgesetzt. Zunächst informierte er die Hörerschaft über die Historie und mögliche Einflussnahme sowie der Einarbeitung von Änderungsvorschlägen zur Lebensmittelinformationsverordnung (LIV).Pflichtelemente der Kennzeichnung sollen bleiben, außerdem sollem "Imitate" gekennzeichnet werden.Desweiteren werden neue Definitionen sowie verpflichtende zusätzliche Angaben, wie "Nano" , "aufgetaut"…der LIV geregelt..Ausnahmen der Allergenkennzeichnung bei loser Ware soll es geben. Probleme wird es durch unbestimmte Rechtsbegriffe und fehlende Regelungen zu Verkehrsverboten geben.
Quintessenz zieht Dr.Preuß dahingehend, dass sich jeder aus den vielfältigen Informationen und Kennzeichnungen auf den Produkten das Wesentliche für sich herausziehen muss.
Fortführend referierte Dr.Preuß über die neue Novel-Food-Verordnung(NFV). Zum Beispiel wäre bei  dem sogenannten "Klebescchinken" eine Sicherheitsprüfung erforderlich. Er beklagt, dass dieser Problematik durch die Sachverständigen bisher kaum Beachtung geschenkt wurde. Zu neuartigen Lebensmitteln zählen auch herkömmliche Lebenmittel aus Drittländern. Die Bezeichnung "Nanomaterial" wird neu definiert und weitere Kennzeichnungsbestimmungen in der Verordnung festgelegt.
Abschließend erfolgten Ausführungen zur Analytik von Nanopartikeln in Lebensmitteln und Kosmetika, welche im o.g. Untersuchungsamt bereits nachgewiesen werden können. Er wies bezüglich der Relevanz der Nanogröße auf eventuelle Risiken einschließlich offene toxikologische Fragen, wie das mögliche Eindringen in Körperzellen, Auswirkungen auf das Immunsystem, Resorption im Verdauungstrakt und allen voran das Risiko in der Inhalation, hin. Anschaulich zeigte er die Nachweismethoden der Nano-Analytik mit dem Ziel des Nachweises in Emulsionen und Suspensionen.Er stellte erste Ergebnisse zum Nachweis in frisch gebrühtem Automatenkaffe, in Zahncreme her. Dabei wird festgestellt, dass Nanopartikel ubiquitär vorkommen und die Gefährlichkeit mit der Menge der Aufnahme steigt. Offene Fragen sind derzeit das Verhalten der Nanopartifel bei üblicher Behandlung von Lebenmitteln, die zeitliche Stabilitätsowie die Reproduzierbarkeit.
Ein Fazit zieht Preuß aus den umfassenderen Regularien der LIV, dass die amtliche Kontrolle zukünftig zusätzliche Kapazitäten für die Überprüfungen benötigt. Paralell erhöht sich dazu auch der Kontrollaufwand durch die Novel-Food-Verordnung und Konkretisierung der Health-Claims-Verordnung. Fraglich bleibt am Ende die Finanzierung.  

Noch beeindruckt von den vielfältigen fachspezifischen Informationen schloss sich die Mitgliederversammlung an.
Nach der Eröffnung durch Martina Pfeiffer und der Feststellung der ordnunggemäßen Ladung erfolgte der Rechenschaftsbericht. Es wurden
Nach Vorstellung des Kassenberichtes durch Gesa Wehner-Reiber und der Verkündung des Kassenstandes teilten die Kassenprüfer ihre Ergebnisse mit und entlasteten den Vorstand.
In diesem Jahr stand die Wahl des neuen Vorstandes auf der Tagesordnung. Ziel der vergangenen Bemühungen war es gerade junge Berufskollegen zur Mitarbeit zu motivieren und mit ihrem Engagement und entsprechender Außenwirkung bei den bestehenden Problemen unsere Berufsgruppe mitzuwirken.
Mit dem gewählten Wahlvorstand vollzog David Grafe-Hopf als Wahlleiter ernsthaftig, aber doch unterhaltsam die einzelnen Wahlgänge vorschriftsgemäß. Im Ergebnis wurden folgende Mitglieder in den Vorstand gewählt:

Vorsitzende: Martina Pfeiffer
1. Stellvertreter: Mathias Kirchner
2. Stellvertreterin: Silke Topf
Kassiererin: Gesa Wehner-Reiber
Schriftführerin: Marita Laufer
Kassenprüfer: Lieselotte Rattei, Ines Schippel
Stellvertretende Kassenprüfer: Manuela Müller, Katharina Koch


Ein ganz herzliches Dankeschön an die bisherige 8-jährige Mitarbeit im Vorstand wurde Steffi Stock und Manuela Müller ausgesprochen und entsprechend gewürdigt.

Als krönenden Abschluss der Jubiläumsveranstaltung wurde von der Möglichkeit der Besichtigung der Rotkäppchensektkellerei GmbH in Freyburg/Unstrut rege Gebrauch gemacht. Anschaulich und eindrucksvoll wurden die Teilnehmer durch die Kellerräume mit ihren Besonderheiten geführt.
Der Bürgermeister von Freyburg Udo Mänicke lies es sich nicht nehmen die Thüringer Lebensmittelkontrolleure persönlich zu begrüßen und über die Geschichte und Besonderheiten seiner Stadt zu informieren. Aufgrund des gerade stattfindenden Deutschen Sekttages war das Betriebsgelände stark frequentiert.

Den Kolleginnen des Lebensmittelüberwachungsamtes Weimarer-Land, insbesondere Steffi Stock und Gabriela Wolff wurden für die intensive Vorbereitung und Organisation des Verbandsjubiläums ein herzlicher Dank ausgesprochen.
Gleichzeitiger Dank gilt dem Team des "Hotel am Schloss" in Apolda für die optimale Betreuung und ansprechende Bewirtung.


Marita Laufer


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