Verbandstag Eisenach 2015 - Landesverband der Lebensmittelkontrolleure Thüringen e.V.

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Verbandstag Eisenach 2015

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Verbandstag und Jubiläumsveranstaltung zum 25jährigen Bestehen am 29./30.05.2015 in Eisenach

Nachdem der Landesverband Thüringen im vergangenen Jahr einen neuen Vorstand gewählt hat, galt es in diesem Jahr - wie die Vorsitzende Doris Blechschmidt es ausdrückte - „die Feuertaufe" zu bestehen. Eine besondere Herausforderung war dabei neben der Organisation einer anspruchsvollen Fortbildung, auch einen festlichen Rahmen zur Jubiläumsveranstaltung zu schaffen. Denn eine Silberhochzeit soll doch auch gebührend gefeiert werden!
Aber der Reihe nach.
Bei der letztjährigen Veranstaltung in Oberhof erklärten sich die Kollegen aus Eisenach bereit, das 25jährige Bestehen am Fuße der Wartburg – eines der geschichtsträchtigsten Symbole Thüringens – zu feiern. Als Tagungsort war das „pentahotel" optimal geeignet. Insgesamt folgten 126 Teilnehmer der Einladung. Darunter waren 30 Aussteller, welche an 21 Ständen der Fachmesse einen ausgesprochen regen Erfahrungsaustausch mit den Kollegen ermöglichten.
Nachdem die Vorsitzende
Doris Blechschmidt. DieVeranstaltung eröffnet und die Mitglieder sowie die Gäste begrüßt hatte, ergriffen die ersten Gäste das
Wort.
Im Auftrag des Landrats Reinhard Krebs hieß
Martin Becker als Delegierter des Wartburgkreises die Gäste in der Wartburgregion im Herzen Deutschlands willkommen. Er bewarb diesen abwechslungsreichen Landstrich vom Hainich bis zur Rhön und lud zu ausgedehnten Wander- und Radtouren ein. Er beschrieb die Struktur der Lebensmittelunternehmen. Diese bestehe größtenteils aus kleinen Handwerksbetrieben, welche sich oftmals mit der Umsetzung der gesetzlichen Anforderungen überfordert fühlen. Hier sieht er auch den Schwerpunkt der Kollegen vor Ort, welche durch den „Amtsfürsten" Dr. Silvio Knyrim geleitet werden.
Dieser ergriff im Anschluss das Wort und begrüßte seinerseits die Anwesenden. Er beschrieb die behördliche Struktur der Lebensmittelüberwachung in dem durch eine Zweckvereinbarung gebündelten Gebiet der kreisfreien Stadt Eisenach und dem Wartburgkreis.
Weiterhin beschrieb er seine Erfahrungen, die er aufgrund der nächsten Nähe zur langjährigen Vorstandsvorsitzenden Martina Pfeiffer bezüglich der Vorstandsarbeit machen konnte. Er würdigte den hohen persönlichen Einsatz von Martina Pfeiffer für die Interessen der Thüringer Lebensmittelkontrolleure und dankte den Kollegen dafür, dass sie ihr in dieser Zeit den Rücken freigehalten und sie unterstützt haben. In diesem Zusammenhang betonte er seine Befürwortung beim Kampf um eine faire und einheitliche Bezahlung und damit die Anhebung aller Kollegen in den gehobenen Dienst. Außerdem benannte er die Notwendigkeit einer zeitgemäßen materiellen und personellen Ausstattung der Ämter, welche den zunehmend umfangreicheren Aufgaben der Lebensmittelkontrolleure Rechnung tragen müssen. Auch das Aus- und Fortbildungsniveau, so Knyrim, darf nicht nur gehalten, sondern muss sukzessive erhöht werden, um auch im industriell geführten Gewerbe fachlich auf Augenhöhe mit den Gewerbetreibenden zu stehen. Bei allem Fachwissen dürfe aber auch der Blick für das Wesentliche nicht verloren gehen. Schließlich basiere die Mehrzahl der Mängel früher wie heute auf die Basishygiene.
Abschließend wünschte Dr. Silvio Knyrim den Kollegen, in ihrem Denken und Handeln flexibel zu bleiben sowie Freude und Zufriedenheit bei der Arbeit zu erhalten.
Frau
Dr. Karin Schindler, Referatsleiterin des Referats 53 Lebensmittelüberwachung des TMASGFF (Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie) entschuldigte Frau Ministerin Heike Werner, die gerne persönlich gekommen wäre. Dies sei aus Termingründen leider nicht möglich gewesen, ließ aber ausrichten, dass sie die Arbeit der Thüringer Lebensmittelkontrolleure sehr wertschätze und sie auch die Anliegen des Verbandes unterstütze und die Leistung der Lebensmittelkontrolleure anerkenne.
Frau Dr. Schindler beschrieb die Struktur der mit der letzten Landtagswahl zum Teil geänderten Aufgabengebiete in den Ministerien und der damit erforderlichen personellen Neuorganisation der Verbraucherschutzministerkonferenz. Das Ministerium ist derzeit bestrebt, das TLV (Thüringer Landesamt für Verbraucherschutz) in Bad Langensalza zu stärken. Dies betrifft sowohl den Bereich Lebensmitteluntersuchung als auch Abteilung 2 als zentrale Mittelbehörde. Weiterhin steht die Intensivierung der Arbeit der Kontrolleinheit Lebensmittelsicherheit im Focus.
In ihrer Funktion als Referatsleiterin Lebensmitteüberwachung gab sie den Teilnehmern Einblicke in die aktuellen Arbeitsschwerpunkte. Sei es Informationen zum FVO-Audit, welches im April 2015 in Thüringen durchgeführt wurde, der Stand der Neufassung der EU-Kontroll-Verordnung, die geplanten Änderungen zu § 40 (1) a LFGB sowie der Stand einer Novellierung der Lebensmittelkontrolleurs-Verordnung – diese Themen fanden reges Interesse bei den Hörern. Auch die Anpassung der Ausbildungsverordnung und damit die Aufnahme verschiedener Möglichkeiten zur Berufserlangung ist nach ihrer Ansicht überfällig.
Nach vielen informativen und individuellen Gesprächen an den Ständen der Fachmesse läutete Johannes Jahn, der die Tagung moderierte, die Runde der Fachvorträge ein.In seinem Vortrag stellte
Marc Oliver Steins das Unternehmen GS 1 sowie die dort entwickelten Barcodesysteme vor. Den meisten Verbrauchern ist der EAN-Code bekannt, der sich mittlerweile auf nahezu allen im Einzelhandel vertriebenen Waren befindet. Aber das Unternehmen entwirft auch deutlich komplexere Systeme, mit deren Hilfe ein papierloses Warenwirtschaftssystem einschließlich aller Erfordernisse der Rückverfolgbarkeit, Dateninformationen an Kunden und Lieferanten und vieles mehr möglich ist. Auch die Lebensmittelüberwachung der Zukunft könnte insbesondere bei der Probenahme durch solche Systeme erleichtert werden, wenn die auf dem Barcode des Produktes hinterlegten Daten zu Hersteller, Inhalt, Lieferwegen etc. direkt in ein elektronisches System eingespeist werden könnten. Insbesondere im Falle von Warenrückrufen wäre so ein effektives und schnelles Handeln möglich. Andreas Müllerlegte in seinen Ausführungen die Struktur der Lebensmittelinspektion – wie es im Nachbarland heißt – dar und erklärte insbesondere Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Aufgabengebiet und in der Arbeitsweise. Eine Besonderheit ist in Österreich die Spezialisierung von Lebensmittelkontrolleuren, die in ihrem Fachgebiet in allen Bundesländern eingesetzt werden können. Besonderer Focus liegt dabei auf den nicht alltäglichen Fachgebieten wie Nahrungsergänzungsmittel, Bedarfsgegenstände, Kosmetische Mittel usw.
Die Ausbildung der Inspektoren erfolgt an einer Fachhochschule mit theoretischen und praktischen Unterrichtsmodulen. Anschließend werden sie als „Beamte in der Hoheitsverwaltung" eingestuft, müssen aber auch um eine faire Bezahlung kämpfen. Der Online-Handel wird immer erfolgreicher. Zum Stand 09.03.2015 waren allein bei den größten Anbietern ebay und Amazon 385.000 Artikel gelistet. Hinzu kommen dann z.B. noch die Sportlernahrung, Diätprodukte und Nahrungsergänzungsmittel. Um diesem neuen Trend auch aus Sicht der behördlichen Überwachung gerecht zu werden, hat das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) Mitte 2013 diese Servicestelle für die Länder geschaffen. Ihr Ziel ist eine Lebensmittel-Sicherheit im Internet, die mit dem Einkauf im Supermarkt um die Ecke vergleichbar ist. Dr. Dennis Raschke beschrieb sehr anschaulich die Aufgabengebiete der Kontaktstelle und hinterlegte dies mit Beispielen aus der täglichen Arbeit. Er sprach über die Schwierigkeiten der Identitätsverschleierung insbesondere bei Privatanbietern, über die Hindernisse aufgrund der bisher fehlenden Rechtssicherheit bezüglich Probenahme und Möglichkeiten der amtlichen Untersagung sowie über die Zusammenarbeit mit Siegelgebern, die bestimmte Qualitätssiegel an Händler vergeben, die sich amtlichen Prüfungen stellen. Als Claudia Pretzsch im Jahr 2010 am BTFS-Seminar in Porto teilnahm, verpflichtete sie sich dazu, das erworbene Wissen weiterzugeben. Dies tut sie seit 2010 in verschiedenen Workshops und Seminaren für Lebensmittelkontrolleure, Veterinäre und Lebensmittelchemiker.
Sie beschrieb die Umsetzbarkeit von Eigenkontrollsystemen in der Praxis und gab Hinweise, wie eine vom Betrieb erstellte Gefahrenanalyse einschließlich der beschriebenen CCPs und CPS vom Lebensmittelkontrolleur geprüft und bewertet werden kann. Dabei ging sie auch auf verschiedene Betriebsstrukturen und-größen ein. Weiterhin verwies sie auf die vorhandene EU-Leitlinie sowie die Leitlinien der Industrie und berufsständischen Organisationen, in welcher auch konkrete Umsetzungshinweise für kleinere und mittlere Lebensmittelunternehmen beschrieben sind. Diese sind im FIS-VL eingestellt. Claudia Pretzsch empfahl, Prozesse im Betrieb kritisch zu hinterfragen und diese mit dem Lebensmittelunternehmer zielorientiert zu diskutieren. „Es geht um sichere Lebensmittel, nicht darum, Papier zu füllen." Mit dem Vortrag von Claudia Pretzsch endete der Teil der Fachreferate. Nun folgte die Mitgliederversammlung. Doris Blechschmidt verlas den Rechenschaftsbericht und fasste dabei die Arbeit des Vorstandes im vergangenen Jahr zusammen. Die für den BVLK bearbeiteten Stellungnahmen sollen künftig im Mitgliederbereich einsehbar sein. Somit stellt sich der Vorstand noch stärker seinem selbst gesteckten Ziel der Transparenz. Die Vorsitzende dankte insbesondere Michael Sittig als Beauftragten des Vorstands für sein Engagement und seine fachlich und rhetorisch sehr guten Ausarbeitungen. Nur indem wir Fachverbände und politische Organisationen kontaktieren, können wir unsere Ansichten kundtun und aktiv Gesetzgebungsprozesse beeinflussen, um somit unsere Interessen zur Optimierung der Arbeitsbedingungen der Lebensmittelkontrolleure durchsetzen zu können. Auch am Samstag standen noch zwei weitere anspruchsvolle Seminarthemen an: Florian-Fritz Preuß und Armin Wolfzeigten aus Sicht eines Qualitätssicherungs-Dienstleisters die aktuellen Ansprüche der Wirtschaft an QM-Systeme auf. Sie beleuchteten unter anderem die Forderungen des Lebensmitteleinzelhandels an die Hersteller von Marken- und Eigenmarkenprodukten und stellten den Standard „IFS Global Markets- Food" vor, welcher auch als „Der kleine Bruder des IFS" bezeichnet wird. Neu war für viele, dass ein IFS-Audit mittlerweile zum Teil auch unangemeldet und zu jeder Tages- und Nachtzeit durchgeführt werden kann. An dem von den meisten Mitgliedern mit Spannung erwartete Workshop, zu dem alle ihre dienstlichen Kameras mitbrachten, war nur eines zu beanstanden: Er war zu kurz! Die Ausführungen zu den einzelnen Kameraeinstellungen wurden sehr anschaulich mit Bildmaterial unterlegt. Cathrin Tannenberg-Schulz und Sybille Bießmann hatten alle Hände voll zu tun, bei den kleinen Pocketkameras der Teilnehmer individuell die optimalen Einstellungen herauszuarbeiten. Dabei bestätigte sich auch, dass in vielen Ämtern an der Ausstattung der Kollegen gespart wird. Eine Kamera ohne Möglichkeit des Zooms, Makroaufnahme oder auch der Einstellung der Lichtempfindlichkeit ist schlichtweg ungeeignet, um gute und zur Beweissicherung nutzbare Bilder anzufertigen. Weiterhin erhielten die Teilnehmer wertvolle Tipps, zum Beispiel wie man während der Kontrolle ohne großen Aufwand Räume bzw. Ecken ausleuchten kann. Außerdem gab Stefan Tannenberg Hinweise, welche Möglichkeiten der nachträglichen Bildbearbeitung statthaft sind und wie dies zu dokumentieren ist. Zum Abschluss nahmen einige Teilnehmer und Referenten an der Führung auf der seit 1999 zum UNESCO- Weltkulturerbe gehörende Wartburg teil. Dies rundete die beiden Fortbildungstage mit sechs anspruchsvollen Fachvorträgen und der gelungenen Festveranstaltung zu 25jährigen Jubiläum stilvoll ab.  


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